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Komplexbehandlung Unser Behandlungskonzept Manuelle Medizin und Chirotherapie Physiotherapie Extrakorporale Stoßwellentherapie Hilfsmittelversorgung Therapieziel und Häufigkeit

Unser Behandlungskonzept

Die Manuelle Medizin (Chirotherapie), Atlastherapie nach Arlen, Osteopathische Medizin, extrakorporale Stoßwellen, Massagen, Ergotherapie, Physiotherapie (Bobath, Vojta, Castillo Morales, PNF-Techniken, Perfetti, sensomotorische Integration etc.), Laufbandbehandlung, Behandlungen auf dem Galileo-Vibrationsgerät und GigerMD, med. Trainingstherapie und Hilfsmittelversorgung wurden in der Ambulanz für Manuelle Medizin der Rheintalklinik zu einer Komplexbehandlung zusammengefasst. Ursprünglich wurde das Konzept zur Behandlung körperbehinderter Kinder und zur Bekämpfung von Schmerzen bei Kindern entwickelt. Oberstes Gesetz war dabei, dass die Kinder die Behandlungen mit Manueller Medizin und Atlastherapie nicht als unangenehm empfinden sollten. So haben wir kindgerechte Behandlungstechniken entwickelt, die auch von den Erwachsenen gern angenommen werden. Sie sind besonders schonend und genauso wirksam, wie die hergebrachten Techniken, die für die Erwachsenen normalerweise angewandt werden.


Alle neurologischen Leiden, Schmerzen, die von Gelenken, Muskeln, Sehnen oder Bandscheiben ausgehen, aber auch Kopfschmerzen und Migräne haben eines gemeinsam: die Muskulatur gerät aus dem Gleichgewicht. Sie wird kurz, zäh, bisweilen teigig und schlaff. Dies geschieht, wenn Muskeln nicht ordentlich oder nicht ausreichend vom zentralen Nervensystem (Hirn und Rückenmark) gesteuert werden. Die Veränderungen der Muskulatur haben die Tendenz, sich zu verselbstständigen und zu verschlimmern, wenn das Muskelgleichgewicht nicht wiederhergestellt werden kann. Es entsteht ein Teufelskreis aus der Fehlhaltung, die sich verfestigt und der Fehlsteuerung, die sich an die veränderten Verhältnisse anpasst.  


Bewegungen, die wegen der Veränderungen der Muskulatur sehr mühsam sind, werden mit der Zeit nicht mehr ausgeführt und regelrecht vergessen. Dieser Prozess geht manchmal so schnell, dass nach einem Schlaganfall oder einer Verletzung des Rückenmarks die Wahrnehmung der betroffenen Gliedmaßen schneller verschwindet, als die bisweilen teilweise stattfindende Erholung der Nervenzellen. Es entsteht eine Körperbehinderung, die zumindest theoretisch nicht vom zentralen Nervensystem verursacht wird, sondern als selbstständige Fehlleistung der Muskulatur zu betrachten ist. Ohne eine korrekte körperliche Wahrnehmung ist keine ordentliche Haltung oder Bewegung möglich. Ohne korrekte Bewegungen gibt es keine ordentliche Wahrnehmung des Körpers. Es entsteht ein Teufelskreis, der zur schleichenden Zunahme der Körperbehinderung führt, ohne dass die Schädigung des Gehirns selbst zugenommen hätte. Das zentrale Nervensystem "vergisst" in diesen Fällen die Planung und Durchführung von Haltungen und Bewegungen teilweise oder ganz.


Die Störung der Funktionen der Muskulatur hat weitreichende Folgen auch für das Bindegewebe (Spalthäute, sehnige Bänder etc.). Diese Strukturen verkürzen sich mit den Muskeln sehr schnell, so dass es zu bleibenden Kontrakturen kommt. Es kommt dabei zu Fehlhaltungen und Fehlleistungen, welche die ursprüngliche Lähmung verschlimmern. Eines bedingt das Andere und umgekehrt. Auch dieser Teufelskreis verursacht eine schleichende Zunahme der Körperbehinderung.


Die Teufelskreise machen sich besonders unangenehm während des Wachstums der Kinder bemerkbar, weil die Knochen in der Regel die Tendenz haben, relativ normal zu wachsen, die Muskeln aber ein normales Wachstum nicht zulassen. Im Ergebnis kommt es zu Verkrümmungen der Wirbelsäule (Skoliose), zu Plattfüßen, Spitzfüßen und zu Reifungsstörungen besonders der Hüftgelenke, die über die Hüftdysplasie bis zu Hüftluxationen führen können. Die meisten dieser Verbildungen und Verwachsungen können sich soweit verschlechtern, dass chirurgische Operationen notwendig werden.


Durch die verschiedenen Techniken der Manuellen Medizin (Chirotherapie) einschließlich der Atlastherapie nach Arlen, osteopathischer  Medizin und der Behandlung mit extrakorporalen Stoßwellen wird die gestörte Muskelmechanik der Normalität näher gebracht. Dies reicht in vielen Fällen zur Schmerzbekämpfung aus, nicht aber zur Behandlung neurologischer Leiden. Es bedarf des Zusammenspiels dieser Behandlungsformen mit Physiotherapie und Ergotherapie, um dem Hirn zu zeigen, welche Haltungen und Bewegungen unter verbesserten Bedingungen der Muskelmechanik möglich sind. Die Komplextherapie dient also neben der Verbesserung der Mechanik von Muskeln und Gelenken der Förderung der körperlichen Wahrnehmung, um auf dieser Basis verbesserte Haltungen und Bewegungen erlangen zu können.


Ein wichtiger Bestandteil der Komplextherapie ist die Hilfsmittelversorgung. Dazu gehören angepasste Rollstühle, Gehhilfen (Rollator, Gehstöcke), Orthesen und Schienenapparate, Vorrichtungen zur Verbesserung des Handgebrauchs und die Anbahnung nonverbaler Kommunikation für nicht sprechende Patienten.


Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Masseure, Orthopädietechniker und Ärzte erbringen als Behandlungsteam absolut gleichwertige Leistungen, um das Behandlungsziel zu erreichen. Nur die enge, in ständiger Abstimmung miteinander durchgeführte Komplextherapie führt zu den erstrebten Ergebnissen.


Die Art, wie das menschliche Gehirn und Rückenmark Haltungen und Bewegungen steuert, erinnert in weiten Teilen an die Arbeitsweise eines Computers. Der Hirnschaden oder die Schädigung von Nerven und/oder des Rückenmarks stellen einen Hardwareschaden dar. Auf der beschädigten Hardware können die sich gegenseitig beeinflussenden und vielfältig miteinander vernetzten Softwareprogramme der Bewegungen nicht mehr oder doch wenigstens nicht mehr störungsfrei arbeiten. Die Komplextherapie soll bei körperbehinderten Patienten die Biomechanik und die Ökonomie von Haltung und Bewegung verbessern. Dazu ist es notwendig, die Softwareprogramme für Haltung und Bewegung zu verändern.


Jedes Gehirn macht aus seinen Möglichkeiten das Beste. Einmal gelernte Steuerungsprozesse werden zäh beibehalten. Deshalb ist es nötig, durch wiederholtes Behandeln in kurzen Abständen, am besten täglich, im Rahmen einer Behandlungsserie dem Gehirn Gelegenheit zu geben, neue, bessere Steuerungsprozesse zu erproben und schließlich zu erlernen. Bei Schmerzpatienten mögen 3, 4 oder 5 ärztliche Behandlungen mit verschiedensten Formen der Manuelle Medizin ausreichen. Das ist aber nicht der Fall, wenn die Folgen neurologischer Störungen verbessert werden sollen. In diesen Fällen ist eine 2 bis 3-wöchige Komplexbehandlung nötig. In seltenen Fällen muss diese Zeit auch überschritten werden.


Es mag ein schönes Ergebnis sein, wenn ein Patient, der jahrelang die Grenze des freien Gehens nicht überschreiten kann, das freie Laufen erlernt. Es ist aber auch ein schönes Ergebnis, wenn ein schwerstmehrfach behindertes Kind es schafft, sich selbstständig im Bett zu drehen und damit seine eigene und die Lebensqualität seiner Eltern, die es nachts im Bett nicht mehr wenden müssen, zu verbessern. Haben Patienten auf dieser Basis neue Haltungen und Bewegungen erlernt, werden sie sie auch nicht mehr verlernen, wenn sie sie täglich ausführen.

Ambulanz für Manuelle Medizin - Zentrum für Bewegungsstörungen
Thürachstraße 10 - D-79189 Bad Krozingen
Tel: +49 (0) 7633-408-836, Fax: +49 (0) 7633-408-842,